Erster Eindruck Altstadt

Erster Eindruck Altstadt

Montag, 28. April 2014

Lebenszeichen...

Ich weiß gar nicht, warum ich momentan so schlecht darin bin, meinen Blog zu pflegen. Eigentlich will ich euch gar nichts vorenthalten! Habe so viele Geschichten zu berichten und Fotos zu zeigen.
Leider ist es jetzt auch schon wieder spät und keine Zeit, alles zu schreiben, was geschrieben werden sollte.
Deshalb mal wieder nur ein kurzes Update:

Mein letzter Unikurs hat mittlerweile begonnen. Bisher ist es der Beste von allen. So gut wie alles auf Englisch und die Vorlesungen starten sogar zur genannten Uhrzeit. Wahnsinn, oder? Noch dazu wurde mir im OP mal erklärt, was getan wird und warum. Auch mal eine neue Erfahrung hier. Mir fällt auf, dass ich bisher viel zu wenig von meiner neuen WAhluni berichtet habe: von der türkischen Gelassenheit, den türkischen Kurses im englischen Medizinprogramm, den Stundenplänen, die niemand interessieren und dem billigen Çay und der noch viel billigeren Yemekhane (Mensa). Allerdings muss ich dafür mal einen gesamten Eintrag nutzen. Da gibt es viel zu viel zu erzählen: Sowohl Witziges, als auch Trauriges und fast Unfassbares.

Ansonsten verfliegt hier die Zeit geradezu. Es ist verrückt, dass wir am Mittwoch schon in den Mai tanzen.
Das Wetter macht hier was es will. Wettervorhersagen sind der größte Witz, den man sich in Istanbul erzählen kann und wenn die Sonne mal draußen ist, lässt sie alles strahlen und wärmt durch und durch!
Tobi ist letzten Dienstag abgereist. Es war eine entspannte Zeit mit ihm! Wir haben gemeinsam noch ein bisschen Touri-Programm machen können, aber leider musste ich ihn auch oft allein auf den WEg durch diese verrückte Stadt hier schicken, da ich Uni oder Sprachkurs hatte.
Wir feierten gemeinsam Ostern. Ostermette, Osterschokolade, Ostereier, Osterfrühstück: Alles inklusive :) Wir haben sogar eine Schokoladen- und Ostereiersuche auf Avas Dachterrasse gestartet.
Einige Süßigkeiten waren sogar so gut versteckt, dass wir sie erst beim Aufspannen des SOnnenschirms am Montagnachmittag zufällig gefunden haben. Lecker.

Ansonsten war hier am Mittwoch ein Bayram (Feiertag): Ulusal Egemenlik ve Çocuk Bayramı (Feiertag der nationalen Souverenität und Feiertag der Kinder). Wir hatten keine Uni, keinen Sprachkurs und somit einen wunderbaren Tag in Istanbul auf Entdeckungstour. Bosporus-Boots-Tour und schlendern durch die Straßen Kadıköys - meines Wohnviertels. Dazu noch Delfine und Çay und Iskender. Ein wunderbarer Abendausklang bei Nargile und Tavla im Recafe, meinem Lieblings-shisha-cafe.

Auch mein Wochenende tat gut. ich habe Samstag endlich mal wieder etwas geschlafen. Das habe ich gefühlt schon seit Ewigkeiten nicht mehr getan. Leckers Frühstück und ein Ausflug auf die Rumeli Hisarı - ein Festung an der engsten Stelle des Bosporus. Chorkonzert, live-Musik, Swing-Tänzer. Unglaublich gute Stimmung. Tanzen, Bier, Freude, Çorba vor der Heimfahrt.

Genug der Worte für heute! Lassen wir Bilder sprechen.
Ich wünsche euch allen einen guten Start in die Woche und sende euch türkische Gelassenheit,
eure Maggie

Tulpen am Topkapi

türkische Hochzeit




Hagia Sofia
Rumeli Hisari

Moda. Kadiköy. Blick auf Sultanahmet.

Kadiköy



Yeni Camii. Gebetszeit.
Rumeli Hisari


Bunte Wimpel zum Feiertag

Camlica. Ausblick auf Europa.

TipTopTouris auf BosporusBootsBour.
April-Der Monat der Tulpen.

Ekrem. Ein türkischer Kommilitone.




Tobi genießt Avas Dachterrasse
Chillen und genießen nach ENT-exam
Osterbäuche bräunen

Ostereier und die Altstadt

Eier- und Schokojagd!

Marie ist fündig und glücklich

die dänische Christin
Iyi paskalyalar!
Ava macht sich bereit zum Eierketschen




Meine Hefezöpfe




Aquädukt


Die Profi-Fotografen


Üsküdar


Eyüp

Üsküdar

Tavla. Çay. Karaköy Hafen.



Ausblick vom Büyük Valide Han

Gülhane-Park. Blühendes Istanbul

Fliesen im Harem des Topkapi-Palastes

Montag, 14. April 2014

Schlaflos in Istanbul...

So könnte denke ich fast jeder meiner Einträge heißen, da Schlaf wirklich ein rares Gut ist in einer so unglaublichen Stadt in einem Erasmus-Semester.

Letzten Dienstag ging es nach Uni und Sprachkurs zu Philipp, wo wir mein Handy repariert haben. Wir haben ein neues Display eingesetzt. Einfach so. Philipp hatte es aus Deutschland bestellt und durch Freunde importieren lassen (großer Dank an dieser Stelle an Christian und Tom).  Nun ging es ans Schrauben und Werken. zumindest für Philipp. Ich saß die meiste Zeit mit großen Augen daneben und habe genau aufgeschrieben, welche Schraube und welches Teil wie wohin gehört. So ein Iphone von innen ist ne spannende Sache. Die Tatsache, dass es größtenteils aus Rahmen und Akku besteht, wurde mir dort erstmal wirklich bewusst. WAs für kleine Zaubergeräte das nur sind. Was für kleine Zauberschraubenzieher Philipp genutzt hat und was für einen großen Zauber er damit bewirkt hat!!!
Mein Handydisplay ist wieder geheilt, wunderbar neu, funktioniert einwandfrei und macht mich fröhlich! Tausend Dank an Philipp.
Nach dieser aufregenden Handy-Chirurgie sind wir zu Caro gegangen, die für uns gekocht haben. Jeden Dienstag wechseln wir uns nun ab und kochen bei einem von uns, bzw lassen uns von eben diesem bekochen! Es war superlecker: Auberginen-Tomaten-Käse-Auflauf aus dem Ofen! Traumhaft. Leckersten Salat (mit Granatapfel und Erdbeeren und Käse) und einen schokoladigen Nachtisch. ALle wurden unglaublich satt und ich konnte mich in meinen Nachtbus kullern und heim fahren.

Mittwoch hatte ich zur Abwechslung mal eine englische Vorlesung-huray! In über einer Woche somit sogar schon die 2. Immerhin. Sprachkurs und dann kurz bei Chris auf der Dachterrasse chillen, bevor ich Tobi am Taksim eingesammelt habe. Er ist nun zu Besuch für fast 2 Wochen.
Heim, einen wunderbaren Sonnenuntergang auf der Fähre genießen, einkaufen, kochen, essen, chillen, schlafen. Guter Tag.

Donnerstag unifrei-woupwoup! Also schön Touri sein. Topkapı-Palast und Harem. Wunderbare, riesige Park- und Gartenanlage mit vielen Blumen. April-der Monat der Tulpen in Istanbul! Lale, wie die Tulpen hier heißen, kommen übrigens ursprünglich ganz und gar nicht aus den Niederlanden, sondern aus meiner neuen Wahlheimt: der Türkei! Wer hätte das gedacht? Deshalb sieht man sie momentan überall, wie sie die Stadt verschönern und bunte Farbtupfen setzen!
Nach einer Pause im Gülhane-Park, der sich vor Blumen kaum retten kann, spazierten wir zum "Büyük Valide Han", wo uns Mehdi (ein alter türkischer Mann) die Tür zum Dach aufschloss und wir wieder einen wunderbaren Blick über die Stadt genießen konnten.
Tobi und mich führte unser WEg noch in die Süleymanie-Moschee, die vom Mimar Sinan erbaut wurde und mir wirklich gut gefiel.
Nach einer Aufwärmpause bei Çay auf der Galatabrücke schlugen wir uns durch den Regen und trafen Freunde, mit denen wir wunderbare Chormusik genossen! Iris' Chor sang mit zwei weiteren Chören ein Konzert, wofür sich der WEg auf jeden Fall gelohnt hat! Tolle Musik und witze Performance zwischendurch.
Besuch einer Kneipe mit billigstem Bier und Tequila und dann feiern im Indigo. Bevor es heim ging, noch eine Suppe zur Stärkung. Lecker. Guter Abend. Große Müdigkeit.

Freitag habe ich sehr großes, meiner Meinung nach unglaublich leckeres Frühstück gemacht: Menemen. Ein guter Start in den Sprachkurs. Abends riss der Himmel wider Erwarten auf und offenbarte uns wunderbare Blicke auf die ALtstadt, während wir die Fährfahrt genossen.
Arnold hatte für den Abend eingeladen, da es sein letzter in Istanbul sein sollte: wir also hin. Doch war es schwierig zur richtigen Wohnung zu kommen: Eine türkische Hochzeit fand auf der Straße ein paar Häuser vor unserer Ziel-WG statt. Laute Musik, tanzende MEnschen und viele ältere Tantchen und Männer auf Plastikstühlen, die sich das Spektakel anschauten. Auf der anderen Seite der Hochzeit standen noch Arnold und ein paar Freunde. Wie sollten wir dorthin kommen? Wir konnten nicht drüber, wir konnten nicht drunter her und auch nicht drum herum... : da mussten wir durch!!!! SChaukelnd und lachend schlichen wir uns zwischen den tanzen Türken hindurch und erreichten Arnold. ALlerdings standen wir nicht lange tatenlos rum, da wir direkt von der Mutter der Braut zum tanzen eingeladen wurden. Sie räumten die Tanzfläche, damit auch wir tanzen konnten. Es hat wirklich Spaß gemacht und immer wieder freue ich mich über die türkische Freundlichkeit und Herzlichkeit. Wunderbar! Der Abend war sehr witzig und ich habe ien paar neue Leute kennengelernt. es war ein bunter, international gemischter Abend der im Araf (eine Bar über den Dächern Istanbuls) endete. Gelungen.

Samstag stand nun wirklich erstmal Ausschlafen an und so starteten wir erst gegen 14 Uhr mit einem türkischen Frühstück in den Tag. Nachmittags trafen wir Ava in einem Cafe in Kadıköy und steuerten danach wieder mein Lieblings-Shisha-Cafe an: Recafe. Dort erwartete mich schon mein türkischer Mitbewohner Emre. Bei Nargile und Çay spielten wir Tavla und Emre half uns ein bisschen. Ich muss wirklich noch trainieren...
Danach noch ins Arkaoda-eine super entspannte Tanzbar in meinem Viertel hier. Es ging wieder sehr spät ins Bett.

Aber dafür sind wir SOnntag auch wieder sehr früh aufgestanden. So hat sich das alles ausgeglichen ;)
Wir haben in Cihangir gefrühstückt und sind dann zu einem Basketballspiel gefahren. DIe Türken sind ja berühmt für ihre wilden und verrückten Fans: Das wollten wir uns nicht entgehen lassen! Leider war das Stadium ca leer und das Spiel ca schlecht. Aber wir hatten trotzdem sehr viel Spaß und auch der Spaziergang durch das sehr türkische Viertel Kocamustafapasa und der Besuch der Stadtmauer hatten sich voll und ganz gelohnt! An einem Sonntag sollte man in Istanbul nach Tarlabaşı fahren, um dort sein Gemüse und Obst für die Woche zu kaufen. Gesagt, getan und schnell auf Avas Dachterrasse einen wunderbar frischen Salat zum Abendbrot zusammen geworfen!
Nach diesem Wochenende wünschten wir uns alle ein entspanntes ABendprogramm und entschieden uns für den Film "Auf der anderen Seite" von Fatih Akın. Wir konnten Chris' Straße wiedererkennen, in der ein Hauptcharakter wohnte und auch die ein oder andere Ecke Istanbuls. Das hat wirklich Spaß gemacht.

Heute morgen stand eigentlich Uni für mich an, da es hieß, es gebe eine englische Vorlesung. Ich habe mich also morgens aus dem Bett geschält und bin zur Fähre spaziert. Am Hafen angekommen merkte ich bereits, dass da etwas nicht stimmte. Normalerweise kann ich einfach so auf meine Fähre springen und gut ist. Heute allerdings standen super viele Leute am Ufer und warteten. Es fuhr keine Fähre. Aber warum nicht? Strahlend blauer HImmel und Sonnenschein! ABER: auf der europäischen Seite hatte sich ein dichter Nebelschleier über die ALtstadt gezogen. Es sah wahnsinnig aus. Man konnte nur noch die Türme der Hagia Sofia erkennen und eine Ecke des Topkapı. Verrückt. Ich wartete 40 Minuten. Nichts tat sich. Na gut, entweder mit der Marmaray unter dem Meer durch zur UNi oder das ganze als WInk des SChicksals sehen und heim?!
Ich ging heim. Dort skypte ich und schlief nochmal eine halbe Stunde. Nun habe ich Zeit den Blog zu schreiben und etwas HNO zu lernen.
Tobi ist in Europa unterwegs und schaut sich die Stadt an.

Vielleicht gibt es später noch ein paar Fotos. Aber nun muss ich wirklich mal was für die Uni tun!
Ich drücke euch,
eure Maggie

çÇ Şş Ğğ Iı

Montag, 7. April 2014

2 Worte.

Meine Lieben,
ich habe es schon wieder fast eine Woche lang nicht geschafft, mich zu melden und meine Erlebnisse mit euch zu teilen! Das will ich nun ändern. Allerdings kurz und knapp. In 2 Worten und vielen Bildern:

Donnerstag, 03.04.14
Genuss. Üsküdarentdeckung.
Aussicht von der Fähre
Yenikapi mit Giorgos

Galata. Mittagspause
Nach dem Nachmittagsgebet
Sarkirin Camii. Hof.










Freitag, 04.04.2014
kleine Freuden
Bücher in Galata. Zauber.

Blind-Date with a Book

In Galata wird der Schmuck noch selbst gemacht

Laternen in Moda. Delfine beim Cay.
Samstag 05.04.14
Inselausflug.Grill-Flunkyball-Abenteuer.





Blick vom Grillplatz aus.

Sonntag, 06.04.14
Sonnenschein.Frisbee
Fans. Ava&Bruderlein Richard
Frisbeespiel von Chris


Caypause in der Sonne an der Promenade



Ihr seht, ich hatte ein schönes Wochenende! Ich würder gern ausführlicher schreiben. Ich hole das hoffentlich ganz schnell nach!

Ich mag euch noch einen Link zum Abschluss lassen:
Es geht um die Wahlen und darum, warum auch ohne Manipulation die Mehrheit hier die AKP wählt.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-04/Tuerkei-Erdogan-Wahl-Gastbeitrag

Bald hoffentlich mehr. Dann auch in mehr Worten.

Mittwoch, 2. April 2014

Wahlsonntag in meiner neuen Wahlheimat

Ich will es mir nicht nehmen lassen, auch noch ein paar Worte zu den Kommunalwahlen zu verlieren.

Am Sonntag war es soweit. Seitdem ich hier bin, sind die Wahlen präsent: die gesamte Stadt ist mit bunten Wimpeln der unterschiedlichen Parteien geschmückt, Busse mit Lautsprechern fahren mit viel zu lauter Musik durch die Straßen, um für Ihre Partei zu werben, überall Plakate, Schilder, Werbetafeln. Aufdeckung von Intrigen, Täuschung, Proteste und Aufstand. Konzerte gegen die Gewalt und Aggressivität der Polizei, friedliche Sitzwachen mitten in der Stadt mit Blumen und Kerzen, die Beerdigung von Berkin. Die plötzliche Sperre von Twitter am 21.03. und das Abschalten von Youtube am Donnerstag, 27.03. aus fadenscheinigen Gründen.

In Izmir haben wir eine Kundgebung der CHP (Partei von Kemal Attatürk) miterlebt. Tausende Menschen auf der Straße, um ihre Unterstützung dieser AKP-Opposition zu zeigen.

Chris mit seinem neuen roten Schal.
Am Samstag vor der Wahl gab es auch eine Wahlveranstaltung von der CHP in Beşiktaş: Und wurden Aprikosen und Haselnüsse geschenkt, wir wurden mit lauter Musik beschallt und von einigen tanzenden Leuten heran gewunken, um mit ihnen zu tanzen und Çay zu trinken. Wir bekamen allesamt CHP-Schals geschenkt und uns wurde am Telefon erklärt, dass wir nicht wählen düften. Ach, danke für diese Information :D






In Kadıköy waren so viele Menschen bei der CHP-Kundgebung am Hafen, sodass ich gar nicht meinen gewohnter Heimweg laufen konnte. 
Attatütkfahnen
Sogar auf den Bushaltestellen in Kadiköy
Auf Dächern und Autos.
Busbahnhof Kadiköy
Fanartikel





Katil - türkisch für Mörder
Die Wahlen waren seit meiner Ankunft durchgehend präsent. Ein großer Tag. Dabei wurde nicht mal über Erdoğan direkt abgestimmt. Es waren Kommunalwahlen, die allerdings als Landmarke und Stimmung im Land angesehen werden.
Ab 6 Uhr morgens herrschte absoluter Alkoholverbot im gesamten Land. Noch dazu wurde die Zeitumstellung verschoben, damit ja niemand vor verschlossenen Wahllokaltüren stehen musste, da man die Zeitumstellung verschlafen haben könne. Eine absurde Idee, wo mittlerweile nun doch so gut wie jeder ein Zauberhandy besitzt, was ich sowieso von alleine umstellt. Es wurde also nochmal gut Verwirrung geschaffen: Sowohl in der Stadt, im alltäglichen Leben, als auch an den Flughäfen (die Flugpläne nach internationalen Zeiten standen natürlich längst fest.)
http://www.tagesschau.de/schlusslicht/turkei-sommerzeit100.html

Am Sonntagabend saß ich gemeinsam mit Chris, Ava und Philipp beim Abendbrot in einem Restorant, in dem wir die vorläufigen Wahlergebnisse auf einem Fernseher gespannt verfolgten und uns über Meldungen vom Tag unterhielten. Es gab schon Tote in Prügeleien in Wahllokalen und festgenommene Femen-Aktivistinnen.
Von Beginn an, zeichnete sich ein Vorsprung für die AKP ab. Sie sollte also nach alle diesen Intrigen und Vorwürfen und Skandalen doch die stärkste Partei im Land bleiben.
http://www.zeit.de/politik/2014-03/tuerkei-erdogan-wahlsieg

Allerdings fechten einige Parteien bzw. Kommunen das Ergebnis an: Es seien Stimmzettel für CHP und MHP im Müll gefunden, Wahlurnen schon vor dem ersten Wähler nicht leer gewesen und Leute vor den Wahllokalen bedroht worden sein. Ich kann nicht beurteilen, was daran wahr ist und was nicht. Allerdings ist es Fakt, dass genau während der Stimmauszählung in zahlreichen Städten im Langesinneren zu Stromausfällen gekommen ist. Grund seien Katzen in Transformatoren gewesen.

Bisher gab es noch keine weiteren Proteste in Istanbul. Ich kann die Stimmung ganz schlecht einschätzen. Viele sind resigniert. Andere sind voller Freude.
Egal, wie viele Stimmen auch gefälscht oder erschummelt sein mögen (falls es überhaupt welche sind), gibt es doch genug Leute, die hinter ihrer korrupten und skrupellosen Regierung stehen.

Hier folgt noch eine spannende Seite:
https://medium.com/p/28d728e8dd25

Izmir. Urlaub. Gereon.

Es tut mir tausend Leid, dass so lange Funkstille war hier auf diesem Blog!!!
Ich war leider ziemlich viel unterwegs (man kennt das). Noch dazu hatte ich den letzten 10 Tagen nicht nur mein Izmir-urlaubswochenende, sondern auch eine Sprachkursprüfung und eine Dermatologie-Klausur. Dazu kam noch etwas Fachschaftsarbeit und das tägliche Gewusel neben diversen guten Parties...

Nun aber endlich wieder ein paar Worte und Bilder von mir!
Nicht nur vom Urlaub und meinem Istanbuler Leben. Ich mag auch ein wenig zu den Wahlen von Sonntag schreiben. Am liebsten hätte ich euch per live-Ticker alles durchgegeben, allerdings hat Derma mir da einen Strich durch die Rechnung gezogen...

Aber fangen wir vorne an:
Izmir.

Saat kulesi. ca. 1 von 2 Sehenwürdigkeiten in Izmir!
Die mit 3,5 Mio Einwohnern drittgrößte Stadt der Türkei legt sich elegant um eine Bucht des Ägäischen Meeres. Das Wetter ist besser und wärmer als in Istanbul, die Lautstärke ist geringer und die Menschen sind sportlich und entspannt. Viele sprechen kaum oder nur sehr schlecht Englisch, sodass ich wirklich darauf angewiesen war, meine türkische Zunge etwas lockerer zu machen.
Am Freitagabend (21.03.14) hatte ich mich per Nachtbus auf die 7,5 std. lange Reise zu Gereon gemacht. Die Fahrt war abenteuerlich und doch sehr entspannt.
Ein Shuttlebus brachte mich vom Taksim Meydanı zum Otogar, wo mir ein sehr netter Türke den Weg zum Bus zeigte. Am Otogar war so einiges los! Es war bereits 23:20 Uhr und trotzdem wimmelte es überall von Menschen, Tüten, Koffern, Kartons und Obstständen, die alle samt mit Bussen durch die Türkei fahren sollten.
Doch das war noch lange nicht alles: 21.März - Frühlingsanfang. So heißt es zumindest bei uns. "Newroz" - "der neue Tag" ein kurdischer Feiertag. Ursprünglich zum Austreiben böser Geister gedacht, symbolisiert dieser Tag heute viel mehr den kurdischen Widerstandsgeist. (http://www.navend.de/html/kurdistan_heute/artikel/04_Newroz.htm)
Am Otogar wurde um Feuer getanzt und die meisten haben gesungen. Allerdings ließ ich mir erklären, dass es hier nicht nur um das kurdische Newroz ging, sondern auch viele ihre Söhne/Freunde/Brüder vorm Militär verabschiedeten. JEder Türke muss für 6 Monate beim Mitlitär dienen. Ein wichtiger Tag. Man will sich gebührend verabschieden: Tänze, Gesänge, Fackeln, Feuerwerk und natürlich die ein oder andere Türkei-Fahne.
Ihr seht: Es war einiges los an diesem Otogar bei Nacht.
Endlich fand ich meinen Pamukkale-Bus und in diesem meinen Platz. Meinen Bordcomputer in der Kopfstütze des Sitzes vor mir, hatte ich schnell ausgecheckt und musste feststellen, dass es nur türkische Filme gab. Die Fahrt über die 2. Bosporusbrücke zeigte mir nicht nur die beleuchtete Stadt am Wasser, sondern auch einen unglaublich beeindruckenden großen orangenen Vollmond zwischen den Sternen. Ein guter Start für diesen Wochenendsurlaub.
Im Bus wurde ich mit Sandviç und Çay versorgt und habe durch gesammelten Schlafmangel an den Tagen und Nächten zuvor sehr gut schlafen können. Ich bekam mit, dass wir auf einer Fähre fuhren und dass wir diese verließen. Irgendwann gab es eine Pause, in der ich weiterschlief. Morgens konnte ich meine Augen nur aufhalten, als meine Sitznachbarin bereits ausstieg, mir einen schönen Kurzurlaub wünschte und ich sah, dass die Landschaft wunderbar aussah! DAs wollte ich doch nicht verschlafen.
Mein ersten Eindruck: Frankreich! Wenn es noch den ein oder anderen Kreisverkehr gegeben hätte, wäre meine Meinung unumstößlich gewesen: ein kleines und nettes französisches Städtchen. Alles sauber und ordentlich mit Palmen am Straßenrand und ein paar Bergen im HIntergrund. Idyllisch.
Wir fuhren durch die Berge. Berg auf, Berg ab. UNd dann sah ich das Meer/den Golf von Izmir vor mir. Und ich sah, dass wir definitiv nicht in Frankreich waren. Die Vororte Izmirs erinnerten mich nun eher an einige Townships in Südafrika und die unfertigen Häuser in der Westbank, die ich auf meiner Israel-Reise im September kennen lernen durfte.

Ausblick vom Asansör
Mit einem weiteren Shuttlebus fuhr ich zur Göztepe Iskelele, wo mich Tayfun, mein Host, treffen wollte. Es war 7:30 an einem Samstag: die Stadt schlief noch. Ich wartete am Wasser, fand direkt einen neuen Freund (ein Hund, der sich zu mir gesellte) und bestaunte die weite Bucht, die in der Sonne schimmerte. Tayfun ist super nett, zeigte mir meine Unterkunft in seinem Wohnzimmer und gab mir direkt einen Ersatzschlüssel für den Tag. Nach schneller Katzenwäsche und einem Kleidungstausch, machte ich mich direkt auf den Weg zur Fähre nach Bostanlı - dort wollte ich Gereon treffen!
Pelikan. Gesichtet auf 1. Fährfahrt


Mit geschenkter erster Fährfahrt fuhr ich der Sonne entgegen.
Gereon und ich machten uns einen schönen "Sightseeing"-Tag. Abends liehen wir uns Fahrräder aus und machten eine kleine Tour ins "Bird Paradise". Einfach schön.
ABends lernte ich noch Gereons super nette Gastfamilie kennen und ein paar Leute aus der Sprachschule bei einem Bier.
Der Sonntag war noch entspannter. Es war zwar tausend warm, aber Gereon und ich warfen trotzdem ein paar Basketballkörbe am Wasserufer und spazierten durch die Gegend. Ich brachte ihm Tavla bei, während wir eine richtig ekelig süße Minz-Limonata schlürften (ich hatte Hausgemachte Erfrischung gewartet. Wir bekamen künstliche Kleberei!)
Den Abend verbrachten wir bei Gereons Gasttante, die Çiğ köfte gemacht - super lecker!- und wir haben auf dem ca größten Fernseher der Welt "Let's dance" gespielt. Es hat wirklich Spaß gemacht. UNd ein bisschen Türkisch habe ich auch über die Lippen gebracht!
Montag saß ich in der Sonne und machte meine Hausaufgaben, während Gereon beim Sprachkurs war. Mittags aßen wir in einem gemütlichen Lokanta ("Mutfak Muddi", wie Gereon die alten Damen liebevoll nennt). Sehr leckere hausgemachte türkische Küche!
Nach einer entspannten Runde Minigolf und leckerem Çay stand schon mein letztes Abendbrot in Izmir an und mein Aufbruch gen Flughafen.

Es war ein wunderbarer Kurzurlaub, der mir gut tat, mich wärmte und Sonne und Gereon tanken ließ.